Zum Girls' Day 2020: Mädchen kommt in die Forschung!

Zwei Mitarbeiterinnen vom MPI für Kohlenforschung erzählen von ihrem Weg in die Naturwissenschaften

10. August 2020

Das MPI für Kohlenforschung strebt danach, ein ausgewogenes Verhältnis der Beschäftigung von Männern und Frauen am Institut zu erreichen. Doch die Bewerberzahlen zeigen, dass sich nach wie vor weniger Frauen als Männer für eine Karriere in der naturwissenschaftlichen Forschung entscheiden. Initiativen wie der Girls' Day, bei dem es darum geht, junge Frauen für einen naturwissenschaftlichen oder technischen Beruf zu motivieren, werden daher gern und in großem Maß am Institut durchgeführt. 

Wir haben zwei Forscherinnen der Kohlenforschung befragt, warum Sie sich für einen Job am MPI entschieden haben und wie ihr Werdegang aussah.


Sie entwickelt neue Katalysatoren für eine bessere Umwelt:
Dr. Hilke Petersen, Post-Doktorandin in der Gruppe Pulverdiffraktometrie und Oberflächenspektroskopie

Hilke Petersen untersucht den Ablauf von Katalyseprozessen.

Hilke Petersen ist an der dänischen Grenze aufgewachsen und hat in Bremen Chemie studiert. Als Jugendliche wollte sie Chemikerin oder Pilotin werden, entschied sich aber aufgrund ein paar fehlender Zentimeter Körpergröße für das Chemiestudium.

Schon in ihrer Schulzeit hatte die 31-Jährige eine Affinität für Naturwissenschaften, welche durch ihren Lehrer mit vielen interessanten praktischen Übungen gefördert wurde.„Dass naturwissenschaftliche Berufe nur etwas für Jungs sein sollen, halte ich eigentlich für ein „Image-Problem“. Die Schulen sollten hier gezielt entgegenwirken, sodass Jungen und Mädchen in Zukunft gleichermaßen alle möglichen Berufsbilder unabhängig von ihrem Geschlecht in Betracht ziehen“, meint Hilke.

An ihre Studienzeit denkt die Chemikerin gern zurück. Auch wenn diese nicht immer einfach war. „ Es kann passieren, dass man auch mal durch eine Prüfung fällt oder andere Rückschläge einstecken muss. Aber aus solchen Erfahrungen lernt man und es lohnt sich am Ball zu bleiben.“, findet Hilke Petersen. Aus ihrer Zeit an der Uni hat sie vor allem die Fähigkeit mitgenommen, eigenverantwortlich zu arbeiten, und sie hat viele Freundschaften aufgebaut, die ihr auch heute noch als Kontakte im Beruf zu Gute kommen. Während des Studiums absolvierte Hilke diverse Praktika und nahm an deutschlandweiten Exkursionen zu potentiellen Arbeitsgebern, Summer Schools und Workshops teil, um sich weiterzubilden und ihr Wunsch-Arbeitsgebiet zu finden.

Aktuell arbeitet Hilke Petersen als Post-Doktorandin in der Forschungsgruppe Pulverdiffraktometrie und Oberflächenspektroskopie, in der sie den Ablauf von Katalyseprozessen untersucht. An ihrer Tätigkeit schätzt sie vor allem, dass sie abwechslungsreich sowie unvorhersehbar ist und sich während des Arbeitens immer neue Forschungsfragen ergeben. Ihr Ziel ist es, Katalysatoren, die beispielsweise in Autos oder in der chemischen Industrie zum Einsatz kommen, zu verbessern, sodass es zu einer CO2-Reduktion kommen kann.

Jungen Frauen rät Hilke Petersen:
„Macht einfach und folgt eurer Neugier. Und wenn es in Schule oder Studium mal schwierig wird, lasst euch nicht von Rückschlägen einschüchtern, sondern sucht gezielt Hilfe und nehmt diese auch an. Nutzt außerdem alle Angebote, um Berufe kennen zu lernen, die euch interessieren. Der Tag der Chemie oder der Girls‘ Day geben euch gute erste Eindrücke“.

Hier findet ihr auch unser Interview mit Veronika Dietl, die als Chemielaborantin in der Zentralen Analytik unseres Instituts tätig ist.

Nimmt die unterschiedlichsten Proben aus dem Institut unter die Lupe: Veronika Dietl, Laborantin in der Gaschromatographie

Veronika Dietl arbeitet als Laborantin in der zentralen Analytik.

Veronika Dietl hat eine 3-jährige Ausbildung zur Chemielaborantin am MPI für Kohlenforschung abgeschlossen. Bereits während ihrer Schulzeit konnte sich die heute 26-Jährige vorstellen, diesen Weg einzuschlagen. Und das kam nicht von ungefähr: ihre Mutter arbeitet ebenfalls als Chemielaborantin und durch ihre Erzählungen und Besuche an Tagen der Offenen Tür hat Veronika früh ihr Interesse für dieses Berufsbild entdeckt. Ein Praktikum in der 10. Klasse festigte ihre Entscheidung zu einer Ausbildung. Dass es der Beruf der Laborantin wurde, war in erster Linie durch das Vorbild der Mutter angeregt. Von den Schulen würde sie sich wünschen, dass mehr berufliche Alternativen aufgezeigt werden, insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich.

Mit der Ausbildung am MPI war die Essenerin sehr zufrieden, da ihr schon früh viele Einblicke in die Praxis ermöglicht wurden und auch viel Wert auf das genaue analytische Arbeiten gelegt wurde. Veronika Dietl erinnert sich rückblickend auf ihre Ausbildungszeit vor allem gern an den Werksunterricht, der das theoretische Wissen von ihr und ihren Mitauszubildenden vertieft hat. „Der Werksunterricht am MPI ist ein besonderes Angebot, durch das wir den Auszubildenden anderer Firmen oder Institute oftmals einen Schritt voraus waren“, erzählt sie.

Aktuell arbeitet die Chemielaborantin in der Zentralen Analytik, wo sie die unterschiedlichsten Proben aus dem ganzen Institut unter die Lupe nimmt. Sie schätzt die abwechslungsreiche und freie Arbeit und den Austausch mit den verschiedenen Kulturen, die den Forschungsalltag am MPI bereichern. „Englisch zu sprechen hat mir schon während meiner Schulzeit Spaß gemacht und ich finde es toll, hier mit Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen zu kommunizieren und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.“ Veronika Dietl steht kurz vor ihrem Abschluss zur Chemietechnikerin. Dabei handelt es sich um eine vierjährige Weiterbildung, die sie an einer Abendschule absolviert. Den Techniker sieht sie als vielversprechende Alternative zum Studium, gerade für junge Frauen, die sich bezüglich eines Studiums unsicher sind und sich lieber nach einer Ausbildung weiterbilden möchten. „Als Technikerin kann ich weiterführende Aufgaben, wie zum Beispiel Verantwortung für spezielle Analysegeräte, übernehmen.“, erklärt sie.

Veronikas Tipp an Mädchen, die sich eine wissenschaftliche Karriere vorstellen können:
„Seid offen für Neues und habt keine Angst vor Herausforderungen. Das benötigte chemische Wissen wird von Grund auf erklärt, sodass sich auch diejenigen für den Beruf entscheiden können, die nur Grundlagenwissen haben aber das Interesse und die Bereitschaft mitbringen, sich auf den Beruf der Chemielaborantin einzulassen.“

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