Das Institut unter Günther Wilke (1969-1993)

1969 übernahm Günther Wilke (1925-2016) das Direktorat am Mülheimer Kohlenforschungsinstitut. Nachdem er 1951 in Heidelberg promoviert hatte, begann er im gleichen Jahr in der Forschungsgruppe von Karl Ziegler zu arbeiten und war diesem dadurch sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht gut bekannt.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit fokussierte sich Wilke mit seiner Forschungsgruppe auf die metallorganische Chemie von Nickel, die nicht nur auf ihrem unmittelbaren Gebiet bahnbrechend war, sondern auch die Entwicklung der Übergangsmetallchemie und Katalyse im Ganzen beeinflusste.

Unter dem Gesichtspunkt der Anwendungstechnik sind aus der Zeit Günther Wilkes insbesondere zwei Entwicklungen zu nennen. Einerseits die Entdeckung eines Verfahrens zur Ent-koffeinierung von Kaffee, das Kurt Zosel 1970 als Nebenresultat zu Arbeiten an einer Aufbau-reaktion von Aluminiumtriethyl mit Ethylen beobachtete. Zum anderen die grundlegenden Ar-beiten Günther Wilkes an Kunststoffen aus Polyamid-12, die sich durch besondere Formstabilität und Haltbarkeit auszeichnen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft trug bei der Weltmeisterschaft 1974 Schuhe aus diesem Material, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung anlässlich des Todes von Günther Wilke zu dem Urteil veranlasste: „Ihm verdankt Deutschland jahrzehntelange Kohlenforschung und womöglich den Gewinn der Fußball-WM 1974.“

Im Labor, 1974
Photo: Peter Blachian

Das Physikgebäude

Das Physikgebäude, 1983

Günther Wilke im Labor, 1985
Photo: Ingrid von Kruse

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