Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (Rechtsfähige Stiftung) trauert um seinen langjährigen Direktor Prof. Dr. Dr. h. c. Manfred T. REETZ

4. Mai 2026

Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (Rechtsfähige Stiftung)
trauert um seinen langjährigen Direktor

Prof. Dr. Dr. h. c. Manfred T. REETZ
13. August 1943 – 23. April 2026
Emeritiertes Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung

Mit Manfred T. Reetz verliert die Wissenschaft eine international höchst anerkannte Persönlichkeit, die das Gebiet der Katalyseforschung tief und nachhaltig geprägt hat. 
Auf den frühen Stationen seiner wissenschaftlichen Laufbahn in Ann Arbor (USA), Göttingen, Marburg und Bonn verschafften ihm bedeutende Beiträge zur Liganden- und Schutzgruppensteuerung metallorganischer Reaktionen rasch internationales Ansehen. Seit seiner Berufung als Direktor nach Mülheim im Jahr 1991 wandte er seine Aufmerksamkeit schwerpunktmäßig der homogenen Katalyse zu. Dies führte unter anderem zur Entwicklung neuartiger Konzepte und Ligandtypen für die asymmetrische Synthese, die damals bestehende Paradigmen zu überwinden halfen.
Von besonderer Bedeutung sind seine Pionierleistungen zur gezielten in vitro Evolution von Enzymen gemäß den Darwinistischen Prinzipien der Mutation, Expression und Selektion, die er 1997 erstmals und seitdem systematisch auf enantio- und regioselektive Reaktionen anwandte. Dies erforderte die mutige Integration neuer biochemischer und biologischer Methoden in das Repertoire des synthetischen Chemikers ebenso wie die Lösung schwieriger analytischer Probleme, etwa die exakte Bestimmung von Enantiomeren-Überschüssen im Hochdurchsatz-Verfahren.
Sein besonderes Interesse galt dabei stets den fundamentalen Fragestellungen auf diesem neuartigen Gebiet der chemischen Grundlagenforschung. So bilden etwa seine konzeptionellen Beiträge zur Navigation im schier unendlichen Protein-Sequenzraum ein bleibendes Vermächtnis. Ebenso überzeugend gelang ihm jedoch auch die Nutzung der in vitro Evolution von Biokatalysatoren zur Lösung anwendungsrelevanter Themen.

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2011 hat er diese Forschung mit der ihm eigenen Tatkraft fortgeführt, zunächst als Hans-Meerwein-Forschungsprofessor an der Universität Marburg sowie zuletzt am Tianjin Institute of Industrial Biochemistry der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, ohne seine enge Verbindung mit unserem Institut aufzugeben. 

In seiner Zeit als Geschäftsführender Direktor unseres Instituts (1993-2002) hat sich Manfred T. Reetz auch durch dessen organisatorische und inhaltliche Neuausrichtung bleibende Verdienste erworben. Dafür war er bereit, eigene Machtbefugnisse teilweise aufzugeben. Sein Wirken war durch großen persönlichen Einsatz, klare Zielvorstellungen sowie unverbrüchlichen Optimismus gekennzeichnet.

Zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen und die Mitgliedschaft in mehreren wissenschaftlichen Akademien geben ein eindrucksvolles Zeugnis von seinen Leistungen und seinem weltweit hohen Ansehen.

Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung gedenkt Manfred T. Reetz als Wissenschaftler und als Mensch mit tiefer Dankbarkeit und Verehrung. 
Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie. 

Frank Neese
Geschäftsführender Direktor

 

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