Minervas Töchter sind früh entschlossen

1. Oktober 2025

Jolina Keßlers Weg vom ersten Einblick beim Girls‘ Day zur festangestellten Laborantin in der Gaschromatographie 

Auf einem Gruppenfoto vom Girls‘ Day in 2016 schaut Jolina Keßler freudig mit rund 20 anderen Mädchen in die Kamera. Die damals Vierzehnjährige hatte gerade ihren ersten Schnuppertag in der chemischen Grundlagenforschung hinter sich, und es hatte ihr gut gefallen. So gut, dass sie 2020 ihre Ausbildung zur Chemielaborantin an der Kohlenforschung startete. Neben der Gaschromatographie war Jolina während der Ausbildung hauptsächlich in der Abteilung Wasserstoffspeicherung von Michael Felderhoff eingesetzt. Inzwischen ist die 23-jährige als festangestellte Laborantin in der Abteilung von Philipp Schulze tätig und bildet sich an der Abendschule zur Technikerin weiter. Warum Jolina ihre freie Zeit fürs Lernen opfert und was ihre Aufgaben als Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung sind, hat sie uns im Minervas Töchter Interview erzählt.

Was hat Dich hierher geführt? Erzähl uns von Deinem Weg zur Kohlenforschung!
Jolina Keßler: Ich habe mich eigentlich schon immer für die Forschung interessiert und früher in Freundebücher regelmäßig den Berufswunsch „Erfinderin“ eingetragen (lacht). In der Mittelstufe konnten wir uns dann für einen Betrieb beim Girls‘ Day anmelden und ich bin zum MPI gegangen. Der Tag in der Feinmechanik und im Lehrlabor war super und so war danach für mich eigentlich schon klar, dass ich im Labor arbeiten wollte. Und es sollte eine Ausbildung werden, kein Studium. Ich wollte etwas Praktisches machen, so wie bei meinem Chemieprojektkurs in der Oberstufe, bei dem ich ein eigenes kleines Forschungsprojekt mit Schwerpunkt Titration erarbeitet hatte. Die Mischung aus Theorie und Praxis gefällt mir auch heute so gut an meinem Beruf.

Was sind Deine Aufgaben in der Chromatographie und wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?
Jolina: Ich entwickele in der Gaschromatographie Methoden für unterschiedliche Trennprobleme. In der Praxis sieht das so aus, dass wir von den Forschenden Proben erhalten und dann zunächst den Analysenauftrag abklären. Meistens führen wir chirale Messungen durch und bestimmen das Enantiomerenverhältnis der Proben. Außerdem führen wir auch Reinheits- und Umsatzbestimmungen durch. So können wir den Forschenden sagen wie gut die Reaktionen funktioniert haben.

Was gefällt Dir besonders an der Arbeit als Laborantin?
Jolina: Meine Arbeit ist ein Zusammenspiel aus gleichen Arbeitsabläufen mit immer wieder neuen Fragestellungen und das gefällt mir sehr gut. Ich arbeite gern präzise und habe in meiner Abteilung zusätzlich ein sehr nettes Kollegium.

Ich habe mich schon immer für die Forschung interessiert und war beim Girls‘ Day das erste Mal am MPI. Danach war für mich klar, dass ich im Labor arbeiten wollte.
Jolina Keßler, Laborantin am MPI KOFO

Was hat Dich bei Deiner Berufswahl beeinflusst? Hattest Du ein Vorbild?
Jolina: Eigentlich nicht. Mir hat Chemie immer schon Spaß gemacht. Aber ich hatte auch einen guten Chemielehrer, der es schaffte, die ganze Klasse für das Fach zu begeistern.

Und was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Jolina: Aktuell gehe ich dreimal die Woche abends zur Berufsschule und lerne für den Techniker. Meine privaten Interessen, Sport und Freunde stehen da ein wenig hintenan. Manchmal versuche ich, ein Treffen mit Freunden mit Sport zu verbinden. Also mein Plan ist natürlich, den Techniker fertigzumachen und dann sehen wir mal in drei Jahren. 

Als Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) hast Du noch weitere Aufgaben – welche sind dies?
Jolina: Also als Vorsitzende der JAV habe ich im Grunde die gleichen Aufgaben wie Anna-Lena Lenders und Hinrich Kludig, meine Kollegen aus der JAV. Wir sind hauptsächlich Ansprechpartner bei Fragen und Problemen rund um die Ausbildung. Außerdem organisieren wir Events wie die Azubifahrt, eine Weihnachtsfeier oder das Waffelbacken. Wir sind auch bei den Bewerbungsgesprächen der neuen Auszubildenden dabei. Die stehen jetzt wieder an. Ich bin gespannt, wie es in diesem Jahr läuft.

Ist das Thema Gleichstellung bei unseren jungen Mitarbeitenden im Lot?
Jolina: Meiner Meinung nach, arbeiten die jungen Mitarbeitenden am Institut gleichberechtigt, da keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Auszubildenden gemacht werden. Viele ausgelernte Azubis haben eine Festanstellung erhalten und dadurch ist die Zusammenarbeit – unabhängig vom Geschlecht – vielleicht etwas einfacher, als an anderen Stellen. 
Bezogen auf die Einstellung achten wir nicht explizit auf das Geschlecht und ein bestimmtes Geschlechterverhältnis, welches wir erreichen wollen. Wir achten in erster Linie auf Engagement, Persönlichkeit und Eignung. Aber wir freuen uns natürlich, wenn unter den Azubis ein ausgeglichenes Verhältnis von Männern und Frauen besteht. Für das Miteinander der Azubis ist eine gute Mischung auf jeden Fall eine Bereicherung.

 

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