Minervas Töchter segeln mit der Wissenschaft durch die Arktis
Kateryna Peinecke ist festangestellte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung und arbeitet in der Abteilung von Dr. Michael Felderhoff an Themen der Wasserstoff-Speicherung. Nun hat sie an einer wissenschaftlichen Expedition mit 10 Frauen in der Arktis teilgenommen.
Kateryna Peinecke ist festangestellte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung und arbeitet in der Abteilung von Dr. Michael Felderhoff an Themen der Wasserstoff-Speicherung. Die Forscherin stammt aus der Ukraine und ist schon an verschiedensten Orten auf der Welt ihrer Neugier nachgegangen. So arbeitete sie 8 Jahre in Kanada, forschte an der TU Graz und ist seit 16 Jahren am MPI. Nun hat Kateryna eine besondere Forschungsreise nach Grönland unternommen, um der Plastikverschmutzung im Ozean nachzugehen. An Bord einer 22-Meter Yacht segelte sie mit einem rein weiblichen Crew auf eigene Kosten innerhalb von acht Tagen 379 Seemeilen durch den Arktischen Ocean und arbeitete dabei an dem Non-Profit Forschungsprojekt eXXpedition Arctic. Im Minervas Töchter-Interview erzählt sie uns, was sie motiviert.
Was gefällt dir an deiner Arbeit im Institut?
Kateryna Peinecke: Ich liebe es, dass mein Job nie langweilig ist! Ich arbeite an einem äußerst anspruchsvollen und wichtigen Thema: der Wasserstoffspeicherung. In unserem Wasserstofflabor untersuchen wir, wie Wasserstoff sicher und effizient in Metallhydriden gespeichert werden kann. Wir versuchen ständig zu verstehen, wie Materialien Wasserstoff aufnehmen und wieder abgeben, wie wir ihre Leistungsfähigkeit steigern und wie wir die Technologie für den praktischen Einsatz optimieren können. Es ist eine Kombination aus Grundlagenforschung und praktischer Problemlösung. Manchmal liefert ein Experiment nicht das erwartete Ergebnis, aber genau das macht die Forschung so spannend: Man muss nach dem „Warum“ fragen, aus dem Resultat lernen und einen anderen Ansatz ausprobieren.
Dabei gefällt mir die Mischung aus Forschung, der Zusammenarbeit mit Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen und der Möglichkeit, Wissenschaft mit anderen zu teilen. Der Austausch mit Schülerinnen am „Girls’ Day“ oder Besuche bei Grundschulkindern sind für mich besonders bereichernd, da ich ihre Neugier und Begeisterung hautnah miterleben kann.
Du hast nun auf private Initiative an einer Grönland Mission teilgenommen, um die Weltmeere zu schützen. Das Expeditionsteam war rein weiblich. Hat dies die Arbeit besonders gemacht?
Kateryna: Ja, natürlich! Wir waren eine Gruppe von elf Frauen aus den USA, Großbritannien, Österreich, Spanien und mir selbst – wir brachten unterschiedlichste Fähigkeiten, Hintergründe und Fachkenntnisse mit. Unser Ziel war es, das Problem der Plastikverschmutzung in Grönland anzugehen und unseren ganz eigenen Beitrag zu dessen Bewältigung zu leisten. Unsere Kapitänin stammte aus den Niederlanden und verfügte über einen großen Erfahrungsschatz; zum Team gehörten zudem zwei weitere Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und Irland. Jede von uns trug dazu bei, unsere Ziele zu erreichen!
Was waren die größten Herausforderungen auf eurer Expedition?
Kateryna:
- Kälte. Nun, wir waren auf die kalten Wetterbedingungen auf See vorbereitet. Ich hatte mit Temperaturen gerechnet, die unserem Winterwetter ähneln (also +5 bis +10 °C), da die Sommertemperaturen in Grönland denen unseres Winters gleichen; aufgrund meiner Erfahrung mit dem Segeln im Winter hier ging ich von ähnlichen Verhältnissen aus. Es war jedoch deutlich kühler: Wegen der Eisberge und der kalten Strömungen aus dem Eisfjord lag die Wassertemperatur nur bei etwa +2 bis +4 °C. Wenn ich an Deck war, trug ich oft fünf Kleidungsschichten übereinander.
- Schlafmangel. Wir mussten Nachtwachen übernehmen; an den letzten beiden Tagen hatte jede von uns drei Nachtwachen innerhalb von 24 Stunden, was bedeutete, dass uns nur 5,5 Stunden Schlaf blieben.
- Seekrankheit. Darauf waren wir vorbereitet! Ich hatte Armbänder gegen Seekrankheit dabei und nahm Tabletten ein. Andere Frauen verwendeten Skopolamin-Pflaster. Das beste Mittel: sich draußen aufhalten, auf den Horizont blicken und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen!
Welche Erkenntnisse konntest du auf der Mission sammeln?
Kateryna: Die eindrücklichste Erkenntnis aus Grönland war, dass geografische Abgeschiedenheit nicht gleichbedeutend mit Isolation ist. Grönland hat eine Gesamtbevölkerung von rund 55.000 Menschen. Da es das am dünnsten besiedelte Gebiet der Welt ist, leben die meisten Einwohner entlang der eisfreien Südwestküste. Plastikverschmutzung macht nicht an Grenzen oder vor Ozeanen halt und gelangt schließlich an Orte, an denen kaum Plastik produziert oder verbraucht wird. Diese Erfahrung aus erster Hand verwandelte das Thema von einem abstrakten globalen Problem in etwas Greifbares – und verdeutlichte, warum Lösungen sowohl die lokale Abfallwirtschaft als auch die globalen Plastikströme in den Blick nehmen müssen.
Du bist am Institut häufig mit Schülerinnen etwa beim Girls‘ Day dabei und machst Experimente mit ihnen. Welchen Rat würdest du einer jungen Frau geben, die sich eine berufliche Zukunft in der Wissenschaft vorstellen kann?
Kateryna: Mein Rat an junge Mädchen lautet: Seid neugierig, seid mutig und habt keine Angst, euren Platz einzunehmen. Die Wissenschaft braucht Menschen, die Fragen stellen, bestehende Ideen hinterfragen und bereit sind, Neues auszuprobieren. Ihr müsst zu Beginn eurer Laufbahn noch nicht genau wissen, was ihr machen wollt. Verfolgt die Themen, die euch wirklich interessieren, sucht nach Gelegenheiten, praktische Erfahrungen zu sammeln und lasst euch nicht entmutigen, wenn sich euer Weg im Laufe der Zeit ändert.
Ich möchte Mädchen zudem ermutigen, sich Menschen zu suchen, die sie inspirieren und unterstützen – seien es Lehrkräfte, Kollegen, Mentoren oder einfach Freunde und Familie, die an sie glauben. Und denkt daran: Ihr müsst nicht perfekt sein, bevor ihr anfangt. Manchmal lernt man am meisten, wenn man etwas wagt, Fehler macht und es einfach noch einmal versucht.












