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23.10.2014

Vortrag und Summer School: MPI beteiligt sich am Internationalen Jahr der Kristallographie

Mülheim an der Ruhr/Ellwangen. Kristalle findet man überall in der Natur, wie etwa als Schneeflocken oder als Minerale. Aber auch synthetische Kristalle spielen in unserem täglichen Leben eine große Rolle: beispielsweise als kristalline Wirkstoffe in Medikamenten oder als Nanokristalle in der Katalyse. Die UNO hat das Jahr 2014 zum Internationalen Jahr der Kristallographie erklärt. Grund dafür ist unter anderem die Verleihung des Nobelpreises an den Physiker Max von Laue vor genau 100 Jahren. Er entdeckte, dass Röntgenstrahlung an der atomaren Struktur  kristalliner Feststoffe gebeugt wird.

Wichtige Analysemöglichkeiten für Kohlenforscher

Auch am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr spielt die Kristallographie eine entscheidende Rolle. Mithilfe der Kristallographie werden beispielsweise die Syntheseprodukte chemischer Experimente präzise analysiert oder Struktur-Eigenschaftsbeziehungen aufgeklärt. Darum hat sich das MPI entschieden, sich am Internationalen Jahr der Kristallographie zu beteiligen – mit einer Summer School und mit einem öffentlichen Vortrag.

„An immer weniger Einrichtungen werden Vorlesungen zu den Grundlagen der Kristallographie, zu den modernen experimentellen Möglichkeiten und zur Datenanalyse angeboten“, erklärt Dr. Claudia Weidenthaler, Kristallographin und Gruppenleiterin am MPI. Gemeinsam mit Kollegen von anderen Max-Planck Instituten (Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Max-Planck-Institut für Eisenforschung, Max Planck Institute für Intelligente Systeme, Max Planck Institut für Festkörperforschung) hat sie die Summer School „Theory and Practice of Modern Powder Diffraction“ im Tagungshaus Schönenberg in Ellwangen organisiert.

Fokus auf Pulverdiffraktometrie

„Unsere Veranstaltung war auf die Pulverdiffraktometrie fokussiert“, erklärt Claudia Weidenthaler einer  wichtigen analytischen Methode zur Charakterisierung von kristallinen Feststoffen. Inhaltlich beschäftigten sich die Teilnehmer mit Algorithmen zur Aufklärung neuer Kristallstrukturen, der Realstrukturanalyse oder der Analyse von Materialien unter Reaktionsbedingungen. Die Summer School, an der sich rund 100 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland beteiligten, richtete sich vor allem an Master-Studenten, Doktoranden und andere junge Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Festkörperforschung tätig sind. In zehn hochkarätigen, international besetzten Vorträgen konnten sie sich einen tieferen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche verschaffen. Jeder Teilnehmer hatte außerdem die Gelegenheit, auch selbst über sein Forschungsfeld vorzutragen. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg für uns alle“, resümiert Claudia Weidenthaler.

Medikamente im Magen

An ein breiteres Publikum richtete sich der öffentliche Vortrag, den Prof. Roland Boese (Universität Duisburg-Essen) Mitte Oktober am MPI für Kohlenforschung  hielt. Das Spektrum seines Vortrags umfasste dabei polymorphe Formen von Medikamenten, Erdgasvorräte am Meeresboden und Gase, die auf Monden gefrieren. Boese, der sich unter anderem auch mit Kindervorlesungen und unterhaltsamen Experimentalshows einen Namen gemacht hat, hat großen Spaß daran, die Begeisterung für Chemie mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Eingeladen zum Vortrag hatte Prof. Dr. Christian Lehmann, Leiter der Serviceabteilung Chemische Kristallographie und Elektronenmikroskopie am MPI für Kohlenforschung.

Boese sprach über unterschiedliche kristalline Strukturen bei Medikamenten, etwa dem Schmerzmittel Aspirin. Er ging außerdem auf sogenanntes „brennendes Eis“ ein, also Gashydrate. Gashydrate bestehen aus einer speziellen Form von Eis, in das Erdgas eingeschlossen ist. Deshalb bezeichnet man sie auch als „brennendes Eis“. Aufgrund ihrer besonderen Struktur sind sie auch oberhalb 0 Grad Celsius stabil, allerdings nur unter erhöhtem Druck. Daher sind sie hauptsächlich am Meeresboden zu finden und dies in ungeheuren Mengen. Für seine rund 80 Zuhörer hatte Boese spannende Themen, wie sich in der anschließenden lebhaften Fragerunde herausstellte.

Die Kristallographie als Wissenschaft sichtbar zu machen – das ist eines der Ziele des Internationalen Wissenschaftsjahres. Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung hat mit der Summer School als wissenschaftlicher Tagung und dem Vortrag für die Öffentlichkeit einen Beitrag dazu geleistet.