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22.11.2012

Kohlenforscher am Klavier: Nuno Maulide gibt Konzert in der Mülheimer Pauluskirche

Kohlenforscher am Klavier: Nuno Maulide gibt Konzert in der Mülheimer Pauluskirche

Wenn Dr. Nuno Maulide, Nachwuchsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, in seinem Büro in die Tasten haut, dann meistens, um E-Mails zu beantworten oder wissenschaftliche Aufsätze an seinem Computer zu schreiben. Doch wenn er das in seiner Mittagspause tut, zuhause, dann gehören die Tasten nicht zu einem Computer, sondern zu seinem Klavier. Denn Nuno Maulide, der seit 2009 Gruppenleiter am MPI ist, wollte lange Zeit gar kein Chemiker werden – sondern Musiker.

 „Ich habe mit 9 Jahren angefangen, Klavier zu spielen“, erzählt der 32-jährige Portugiese. An seiner Schule hatte er an einem speziellen Musikprogramm teilgenommen und das Klavierspielen erlernt. Seine Lehrer erkannten sein Talent und forderten den Jungen auf, weiterzumachen. Sein Vater schrieb ihn für Klavier beim Lissabonner Musikkonservatorium ein, dort blieb er bis zum Alter von 17 Jahren. „Ich wollte professioneller Musiker werden, auch wenn meine Eltern nicht sehr begeistert waren“, sagt Maulide. Also schrieb er sich für Musik an der Universität von Lissabon ein.

„Dann merkte ich aber, dass das Klavierstudium eine einsame Sache ist – nur du und dein Instrument“, räumt Maulide ein, der sich selbst als „sehr geselligen Menschen“ beschreibt. Nach einem Jahr ließ er das Musikstudium fallen und nahm sein Chemiestudium auf – und fand in der organischen Chemie ein Fach, für das er genauso eine große Leidenschaft entwickeln kann wie für die Musik. „Denn wenn ich etwas nicht mit Leidenschaft mache, dann ist es zwecklos.“

Auch während seines Chemiestudiums blieb Nuno Maulide dem Klavier treu – er gab neben dem Studium Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren Musikunterricht. „Unterrichten – das wollte ich immer schon“, sagt der Chemiker, der heute eine etwa 20-köpfige Arbeitsgruppe am MPI hat mit vielen Doktoranden, Postdoktoranden und Praktikanten, um die er sich kümmert.

Nach Maulides Studium in Portugal folgten Forschungsaufenthalte in Belgien, der Schweiz und in den USA – für die Musik blieb sieben Jahre lang kaum Zeit. „Ich habe mich höchstens zwischendurch schon mal in ein Klaviergeschäft gesetzt, um dort ein bisschen zu spielen.“ Seit er in Mülheim ist, hat er nicht unbedingt mehr Zeit – aber ein Klavier hat er trotzdem wieder. „Ich versuche, jeden Tag zu spielen.“

Mit der regelmäßigen Übung kam auch der Ehrgeiz zurück. Maulide, dem besonders Bach, Chopin und Mozart am Herzen liegen, frischte nicht nur sein altes Repertoire wieder auf, sondern probierte sich auch an neuen, schwierigeren Kompositionen.  „Als ich dann die Barcarolle von Chopin geschafft habe, wusste ich: Du kannst alles erreichen!“, erzählt er voller Begeisterung. Zwischen zwei wissenschaftlichen Konferenzen nahm er sogar an einem internationalen Wettbewerb für Nachwuchspianisten teil – und schaffte es ins Finale.

„Wenn ich Klavier spiele, dann vergesse ich die alltäglichen Probleme“, sagt Nuno Maulide, „ich bin alleine mit der Musik und mit den Komponisten, die ich spiele.“ Ein Konzert ist für ihn ähnlich wie ein wissenschaftlicher Vortrag, nur schwieriger. Denn wenn er ein Konzert gibt, dann gibt er auch immer etwas von sich selbst preis, „viel mehr als bei einem Vortrag.“

Auf sein Konzert am 2. Dezember in der Mülheimer Pauluskirche freut er sich schon sehr: „Ich weiß zwar noch nicht ganz genau, was ich spielen werde. Aber ich werde den Zuhörern etwas zu den Stücken kleine Geschichten erzählen - damit sie sehen, dass klassische Musik Spaß machen kann und nicht so steif und altbacken ist, wie viele denken.“