Minervas Töchter suchen neue Perspektiven

Flóra Barasits arbeitet als Doktorandin am MPI für Kohlenforschung

8. Juni 2026

Eine junge Frau aus Ungarn beschließt nach einem Auslandsstudium in Schweden, in Deutschland ihre Promotion zu absolvieren. Im Interview erzählt Flóra Barasits, wie sie ans Max-Planck-Institut für Kohlenforschung gekommen ist. 

Sie interessiert sich für Wissenschaftskommunikation und Nachhaltigkeit: Flóra Barasits arbeitet in der Forschungsgruppe von Guanqi Qiu. Im Interview erzählt sie von ihrem Verständnis von Gleichberechtigung - und warum sie kein Vorbild hat. 

Was hat dich hierher geführt? Erzähl uns doch etwas über deinen Weg zur Kohlenforschung!
Flóra Barasits: Ich komme aus Ungarn, wo ich meinen Bachelor of Science an der Eötvös-Loránd-Universität absolviert habe. Nach meinem Master in Organischer Chemie – in Uppsala, wo es ziemlich kalt war (lacht) – nahm ich eine Stelle in der Industrie an, um einen Einblick außerhalb der Wissenschaft zu gewinnen, und zog von Schweden nach Deutschland (wo es wärmer ist und ich näher bei meinen Freunden und meiner Familie in Ungarn bin). Nach dem Praktikum wurde mir klar, dass ich mit einer Promotion mehr Möglichkeiten hätte – also suchte ich nach Stellenangeboten und fand Guanqis Stellenanzeige auf LinkedIn. Ich hatte ein sehr nettes Vorstellungsgespräch mit ihr, bei dem sie eine ungewöhnlich gesunde Einstellung zur Forschung an den Tag legte! Ich gefiel ihr ebenso gut und glücklicherweise bekam ich die Stelle.

Was gefällt dir an deiner Arbeit?
Flóra: Ich mag die Atmosphäre in unserer Gruppe. Sie gewährt mir viel Freiheit. In diesem sehr interdisziplinären Umfeld kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Was sind deine beruflichen Ziele?
Flóra: Ich bin mir noch unschlüssig, was meine beruflichen Ziele angeht. Ich sehe mich weder als Professorin noch in einem Job in der Industrie. Ich interessiere mich sehr für Wissenschaftskommunikation – einer breiteren Öffentlichkeit zu erklären, was wir tun; ich halte das für wesentlich. Ich interessiere mich auch sehr für Fragen der Nachhaltigkeit – dafür, anzugehen, was wirklich wichtig ist, um sie zu verbessern – sei es in der chemischen Industrie selbst oder in der Gesellschaft im Allgemeinen.

Was war bisher dein schwierigster Schritt?
Flóra: Rückblickend sehen alle Schritte, die ich unternommen habe, ganz einfach aus (lacht). Aber wahrscheinlich war der Umzug nach Schweden bisher mein schwierigster Schritt. Das war ein großer Sprung für mich – auch aus sprachlicher Sicht. Bis dahin hatte ich den größten Teil meines Studiums auf Ungarisch absolviert. Ja, wir hatten eine Englischprüfung, aber ich wusste nicht, ob ich fließend genug Englisch sprach. Dennoch war der Umzug ins Ausland die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Er hat mich persönlich geöffnet, ich habe so viele interessante Menschen kennengelernt – und ich habe viele neue Perspektiven gewonnen. Und ich denke, dass dies – Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten – für uns als Wissenschaftler entscheidend ist.

Hast du ein Vorbild?
Flóra: Ich würde nicht sagen, dass ich ein Vorbild habe, da dies meiner Meinung nach bedeuten würde, eine einzelne Person zu idealisieren. Wir sind alle Menschen mit Fehlern. Ich ziehe es eher vor, von jedem, den ich treffe, etwas mitzunehmen. Etwas über den Charakter anderer Menschen zu lernen, hilft mir, mich weiterzuentwickeln.

Welchen Rat würdest du jungen Mädchen geben, die daran interessiert sind, in einer wissenschaftlichen Einrichtung zu arbeiten?
Flóra: Ich bin glücklicherweise in einem Umfeld aufgewachsen, in dem es im wissenschaftlichen Kontext keinen Unterschied machte, eine Frau zu sein. Uns wurde beigebracht, einander als Menschen zu behandeln, nicht als Männer oder Frauen. Ich denke, das ist sehr hilfreich, um eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft zu erreichen. Natürlich müssen die Behörden Regeln festlegen, aber wir als Studierende und Wissenschaftlerinnen brauchen dieses Gefühl der Gleichberechtigung in uns selbst – dass es in der Wissenschaft wirklich keine Rolle spielt, ob wir Männer oder Frauen sind. Daraus kann man wirklich das nötige Selbstvertrauen schöpfen, um sich auf das zu konzentrieren, was einem wirklich am Herzen liegt!

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was wäre das?
Flóra: Ich würde mir wünschen, dass die Menschen auf der Welt vernünftiger werden. Ich glaube, wenn wir mehr Verständnis, Akzeptanz und Neugierde entwickeln würden, könnten wir viel sinnlosen Hass, Manipulation, anti-wissenschaftliche Überzeugungen, Stress und viele Probleme, darunter auch Sexismus und Rassismus, loswerden.

 

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