Molekulare Katalyse im Mostkeller
Dr. Nils Nöthling stellte seine Forschung beim „Heimspiel Wissenschaften“ in Hamminkeln vor
Der Arbeitsalltag von Dr. Nils Nöthling vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung ist geprägt vom Blick auf kleinste molekulare Strukturen: der Forscher untersucht Kristalle mit dem Röntgendiffraktometer, um den Kollegen im Syntheselabor, die neue Katalysatoren designen, Aufschluss zu geben, ob ihre Synthesen erfolgreich waren. Präzise chemisch-physikalische Analyse und kreative Neugier sind hierbei gefragt. An seinem Heimatort Hamminkeln kennt man Nils hauptsächlich von der Feuerwehr. Der 35-jährige ist Brandoberinspektor und stellvertretender Einheitsführer. Nun stellte er bei der Obstsaft-Kelterei van Nahmen im Rahmen eines „Heimspiels Wissenschaft“ vor, was ihn in die Forschung geführt hat und, was seinen heutigen Arbeitsalltag im rund 50 km entfernten Mülheim an der Ruhr prägt.
Rund 80 Gäste waren der Einladung in den Mostkeller gefolgt, um einen tiefen Einblick in die Welt der Moleküle und Katalyse zu erhalten. Nach einem Rundgang durch den Keltereibetrieb startete der Forscher gut verständlich mit chemischen Grundlagen, um anschließend sein komplexes Arbeitsfeld in der chemischen Kristallographie zu beschreiben. „Wir arbeiten eng mit den synthetischen Chemikern zusammen – so auch dem Nobelpreisträger Ben List – um die für Forschungsprojekte essentiellen Molekülstrukturen aufzuklären. Dabei sind Moleküle nicht gleich Moleküle auch wenn sie aus denselben atomaren Bestandteilen bestehen. Die genaue dreidimensionale Struktur macht insbesondere bei Pharma-, Duft- und Aromastoffen den Unterschied und wir können sie mit unseren Analysen genau bestimmen“, so Nöthling. Der Chemiker berichtete, dass er häufig an der Erforschung von neuen nachhaltigen Katalysatoren beteiligt sei. Gut verfügbar und lang vernachlässigt sei beispielsweise Bismuth, ein chemisches Element und häufiges Abfallprodukt der Erzgewinnung, bei dem die Forschenden unerwartete Reaktivität nachweisen konnten. Auch die Herstellung des gefragten Duftstoffes Ambra, der in der Natur durch Photooxidation eines Verdauungsprodukts von Pottwalen entsteht, könne durch die Katalyseforschung nun effizienter und umweltfreundlicher mit neuen Organokatalysatoren hergestellt werden. Die Gäste erhielten einen Einblick in den Alltag des Wissenschaftlers und konnten am Infostand praktisch erfahren, wie Proben für eine Kristallstrukturanalyse vorbereitet werden. Drei Kolleginnen aus Nöthlings Team stellten zur Freude der Gäste ein köstliches Sorbet mithilfe von flüssigem Stickstoff und dem weißen Pfirsichsaft von van Nahmen her.
Auch der ehemalige Chemielehrer des Forschers war der Einladung gefolgt und begeistert, wohin das Interesse und die Neugier seinen ehemaligen Schüler gebracht hatten. Nöthling ist heute stellvertretender Leiter der Abteilung für Chemische Kristallographie und Elektronenmikroskopie und überzeugt: „Forschung ist und bleibt wichtig, denn sie liefert Erkenntnisse, die wir für die Bewältigung unserer globalen Herausforderungen dringend benötigen. Ob für den Klimaschutz, neue Medikamente oder nachhaltige chemische Prozesse – wenn wir Moleküle und Reaktionen auf kleinster Ebene genau verstehen und zielgerichtet designen können, haben wir ein machtvolles Werkzeug in der Hand.“
Das Format „Heimspiel Wissenschaft“ schafft gezielte Begegnungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Bundesweit haben seit 2022 etwa 70 vergleichbare Veranstaltungen stattgefunden, bei denen in der Scheune, dem Eiscafé oder Gemeindehaus über Wissenschaft gesprochen wurde. Das MPI für Kohlenforschung dankt der Obstkelterei van Nahmen für die freundliche Kooperation und die tolle Unterstützung bei der Umsetzung.

















