Minervas Töchter packen an 

27. April 2026

Sophia Engelhardt arbeitet als Chemielaborantin in der Abteilung Wasserstoffspeicherung von Dr. Michael Felderhoff. Im Interview spricht sie darüber, was die Ausbildung am Institut herausfordernd, aber auch lohnenswert macht, und warum es Spaß macht, als Azubi direkt in der Forschung mitzuarbeiten.

Erzähl uns von deinem Weg zur Kohlenforschung. Wie bist du hierhergekommen?
Ich komme aus Essen und kannte das Institut schon länger. Ein Familienfreund hat hier früher als Buchbinder gearbeitet, deshalb dachte ich irgendwann: Ich schaue mir das einfach mal an. Chemie hat mir in der Schule immer Spaß gemacht, und ich hatte Glück, Anfang 2020 noch vor Corona ein zweiwöchiges Praktikum machen zu können. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich später am Institut beworben habe. Zwei Jahre später habe ich dann meine Ausbildung zur Chemielaborantin begonnen und im Januar abgeschlossen.

Wie war die Ausbildung für dich und was hat dir besonders gefallen?
Der Unterschied zur Schulchemie war riesig. In meiner Schule haben wir kaum experimentiert, hier im Labor ständig. Man arbeitet sehr früh direkt in den Abteilungen mit, das ist am Anfang natürlich fordernd. Ich hatte große Angst, Glasgeräte kaputtzumachen, und war viel zu vorsichtig. Aber sobald man diese Hemmung verliert, lernt man unglaublich viel. Man steht nicht nur daneben und schaut zu, sondern packt sofort mit an und macht eigene Reaktionen. Das Arbeitspensum kann hoch sein, aber einem wird alles erklärt, und am Ende ist man wirklich labortauglich und hat Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Wie sieht dein Arbeitsalltag am Institut aus?
Schon in der Ausbildung habe ich viel organische Chemie gemacht, und inzwischen bin ich in unserer Abteilung so etwas wie „die Organikerin“. Ich arbeite verschiedenen Forschungsprojekten zu, in denen organische Chemie eine Rolle spielt. Konkret synthetisiere ich Verbindungen, die für eine spätere Verwendung in der pharmazeutischen Forschung oder der Wasserstoffspeicherung getestet werden. Die Arbeit ist oft sehr kleinteilig und erfordert viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz. Jeder Ansatz muss exakt abgewogen werden, und am Ende kommt nicht immer das heraus, was man sich erhofft. Ich habe zum Beispiel ein halbes Jahr lang blaue Farbstoffe synthetisiert und kann blau erstmal nicht mehr sehen (lacht). Der Aufwand lohnt sich aber trotzdem, wenn man ein Problem löst und merkt, dass man wirklich etwas beiträgt. Besonders stolz war ich, als ich im dritten Lehrjahr Co-Autorin bei einem Paper war. Als Azubi den eigenen Namen in einer Veröffentlichung zu sehen, ist schon ziemlich cool.

Hast du ein Vorbild?
Ein klassisches Vorbild habe ich nicht. Vor meiner Arbeit hier kannte ich ehrlich gesagt auch kaum berühmte Chemiker:innen. Was mich aber geprägt hat, waren meine Chemielehrer in der Schule. Sie haben es geschafft, ihre Begeisterung für Chemie weiterzugeben. Mein Chemielehrer hat sich sogar richtig gefreut, als ich hier angefangen habe, und sich anfangs regelmäßig erkundigt, wie es läuft. Ich merke heute, wie viel Einfluss gute Lehrkräfte haben können. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, später selbst auszubilden. Ich mache gerade meinen Techniker und hätte auch Lust, den Ausbilderschein zu machen. Schon jetzt lerne ich Kolleg:innen bei uns an, und nächstes Jahr bekommen wir einen neuen Azubi, den ich betreuen werde. Es macht Spaß, weil man direkt sieht, wie andere dazulernen und sicherer werden.

Was würdest du Frauen raten, die sich für die Arbeit in der Forschung interessieren?
Ich würde immer dazu raten, zuerst eine Ausbildung zu machen und danach ein Studium oder eine Weiterbildung anzuschließen. Die praktische Erfahrung im Labor hilft enorm, weiterbilden kann man sich immer. Wichtig ist vor allem, Interesse zu zeigen und neugierig zu bleiben. Man muss nicht alles sofort können, wichtiger als Perfektion ist Lernbereitschaft und Hartnäckigkeit.

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