100 Jahre Fischer-Tropsch: Artikel über Mülheimer Patent in Nature
Ferdi Schüth blickt in Vergangenheit und Zukunft der Fischer-Tropsch-Synthese
Vor rund 100 Jahren wurde die Fischer-Tropsch-Synthese entwickelt, eine bedeutende Errungenschaft des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung. Prof. Ferdi Schüth beleuchtet für die Zeitschrift Nature die Geschichte und Zukunft dieses Prozesses, der Synthesegas in flüssige Kohlenwasserstoffe umwandelt.
Genau 100 Jahre ist es her, dass die erste Publikation zur Fischer-Tropsch-Synthese erschienen ist, eine der bekanntesten Errungenschaften der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung – und einer der wichtigsten Prozesse in der chemischen und petrochemischen Industrie überhaupt. Prof. Ferdi Schüth, Direktor am MPI für Kohlenforschung, hat jetzt für die Zeitschrift Nature einen Blick auf die Geschichte – und die Zukunft – des Fischer-Tropsch-Prozesses geworfen.
Die Fischer–Tropsch-Synthese wurde 1925 von Franz Fischer und Hans Tropsch entdeckt. Noch im gleichen Jahr reichten die beiden ihr Patent ein, welches jedoch erst 1929 erteilt wurde. Um ihre wissenschaftliche Arbeit als ihr geistiges Eigentum zu sichern, veröffentlichten sie 1926 ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Brennstoff-Chemie“.
Die Fischer-Tropsch-Synthese ermöglicht die Umwandlung von Synthesegas in flüssige oder feste Kohlenwasserstoffe, etwa Treibstoffe und Wachse. Synthesegas, eine Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, wurde ursprünglich aus Kohle erzeugt, es kann aber aus jeder Kohlenstoff-haltigen Verbindung hergestellt werden, so dass die FT-Synthese ein überaus vielseitiges Verfahren ist, durch das auch nachhaltige Kohlenstoffquellen genutzt werden können.
Während des Zweiten Weltkriegs deckte das Verfahren einen erheblichen Teil des deutschen Treibstoffbedarfs ab. Nach dem Krieg verdrängte billiges Erdöl die Technologie weitgehend – außer in Südafrika, wo SASOL während der Zeit der Apartheid das Verfahren weiter nutzte, um trotz Embargos flüssige Kraftstoffe zu produzieren, die aus Kohle hergestellt wurden. Seit den 1990er-Jahren wurde FT auch auf Erdgas angewendet, z. B.in Indonesien und Qatar. China betreibt weiterhin auch kohlebasierte FT-Anlagen.
„Die Fischer-Tropsch-Synthese gewinnt heute neue Relevanz im Kontext von nachhaltigen Kraftstoffen“, erklärt Ferdi Schüth. Wenn das Synthesegas etwa aus Biomasse, Müll oder gar der CO₂-Abscheidung aus der Atmosphäre stamme, könne der CO₂-Fußabdruck stark sinken. Es gibt bereits synthetische Flugkraftstoffe, die auf dem Fischer-Tropsch Verfahren basieren. „Und weitere bedeutende Entwicklungen in Bezug auf diese Mülheimer Technologie können wir sicher auch in Zukunft noch erwarten“, ist Schüth sich sicher.













