Minervas Töchter setzen sich für Nachhaltigkeit ein
Silvia Palm arbeitet in der Elektronenmikroskopie des Instituts und ist im Green Team aktiv. Im Interview spricht sie über Nachhaltigkeit und warum Frauen noch zu oft vor die Entscheidung Familie oder Beruf gestellt werden.
Erzähl uns von deinem Weg zur Kohlenforschung. Wie bist du hierhergekommen?
In der Schule habe ich durch meinen Chemielehrer angefangen mich für Chemie und die Umwandlung von Stoffen zu begeistern. Ich wusste aber bis dahin gar nicht, dass es ein Max-Planck-Institut hier gibt, obwohl ich Mülheimerin bin. Mein ursprünglicher Plan war, etwas im Umweltschutz zu studieren, aber das gab es damals noch nicht. In Freiburg war ein Studiengang im Aufbau, also dachte ich mir: Ich mache die Ausbildung an der Kohlenforschung zur Chemielaborantin und gehe dann nach Freiburg. Soweit die Theorie, aber 40 Jahre später sitze ich immer noch hier (lacht).
Jetzt besuche ich dich ja nicht im Labor, sondern in der Analytik. Wie kommt’s?
Ich habe eine Allergie gegen Lösemittel entwickelt, was dann auch das Ende klassischer Laborarbeit bedeutete. Ich bekam aber ein Angebot aus der Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR) und habe es direkt angenommen, weil mich das Institut so begeistert hat. Nach fünf Jahren NMR und einigen Jahren „Erziehungsurlaub“ bin ich in die Röntgenstrukturanalyse und später in die Rasterelektronenmikroskopie gewechselt. All diese Stationen waren spannend, die Elektronenmikroskopie ist aber meine Lieblingsabteilung. Ich fotografiere auch gerne, und da liegt mir die optische Darstellung besonders nahe. Wie heißt es so schön? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus und was magst du daran besonders?
Ich bin zuständig für Übersichts-Rasterelektronenmikroskopie und Bulk-EDX-Analysen. Im Prinzip zeige ich den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie ihre Proben im Detail aussehen und ob sie tatsächlich das synthetisiert haben, was sie wollten. Ohne Analytik wäre die Arbeit hier im Institut viel mehr ein Stochern im Nebel. Ich schätze besonders, dass ich selbstständig arbeiten kann und die Arbeit nie langweilig wird. Wir haben im Team regelmäßig Meetings und teilen die Anfragen untereinander auf. Wie ich die Probe analysiere und wie ich den Forschenden am besten helfen kann, liegt dann bei mir. Gerade in der Grundlagenforschung, die naturgemäß sehr breit gefächert ist, kommt dann auch immer etwas Neues rein mit neuen Fragestellungen und Herangehensweisen.
Ich sehe viel Grün in deinem Büro. Hast du deine Leidenschaft für Umweltschutz mit ans Institut gebracht?
Ja, tatsächlich. Hier kann ich meine beiden Leidenschaften, Chemie und Natur, verbinden. Wir betreiben ja Grundlagenforschung mit dem Ziel, Chemie nachhaltiger und effizienter zu machen. Aber auch im Kleinen können wir etwas beitragen. Deshalb habe ich 2019 gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen das Kofo-Green Team gegründet. Seitdem haben wir unter anderem den Campus weiter begrünt und kostenlose Leihfahrräder etabliert. 2020 saßen wir coronabedingt im Mensagarten zusammen und haben uns gefragt, was für ein Baum da eigentlich blüht. Es war ein sehr alter Quittenbaum. Seitdem verarbeiten wir die Quitten zu Kofo-Quittengelee und bieten sie gegen Spenden zum Mitnehmen an. So denken wir Nachhaltigkeit hier global und lokal zugleich.
Was war bisher dein schwierigster Schritt?
Am schwierigsten war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich habe zwei Söhne in kurzem Abstand bekommen, und damals gab es Vieles noch nicht: keine Gleitzeit, keine Betreuung für unter Dreijährige, keine Nachmittagsbetreuung nach der Schule. Unter diesen Bedingungen wieder Vollzeit zu arbeiten war unmöglich für mich. Mit einem Teilzeitvertrag konnte ich dann aber meine Arbeit in der Analytik wieder aufnehmen. Oft stehen Frauen in solchen Situationen aber vor der Wahl, ihre Berufstätigkeit ganz aufzugeben oder auf Kinder zu verzichten. Es ist heute besser geworden, aber Frauen in der Wissenschaft werden noch immer zu oft vor die Entscheidung gestellt: Karriere oder Kinder.
Welchen Rat würdest du jungen Mädchen geben, die in einer wissenschaftlichen Institution arbeiten möchten?
Einfach machen. Wenn die Begeisterung da ist, schafft man Vieles. Was ich wirklich empfehlen kann: Macht Praktika und nutzt Angebote wie den Girls’ Day. Ich mache seit dem ersten Girls’ Day 2005 hier mit, und man bekommt unglaublich gute Einblicke. Wenn ich meine Begeisterung weitergeben kann und ein paar Jahre später eine ehemalige Praktikantin oder Girls‘ Day Besucherin hier ihre Ausbildung beginnt, ist das einfach nur schön.












