Minervas Töchter verbinden Grundlagenforschung und Anwendung
Hannaneh Hosseini, entwickelt mesoporösen graphitischen Kohlenstoff für Brennstoffzellen. Im Interview betont sie die praktische Bedeutung ihrer Forschung und den Teamgeist in ihrer Abteilung.
Hannaneh Hosseini arbeitet als Doktorandin in der Abteilung Heterogene Katalyse von Prof. Dr. Ferdi Schüth. Im Interview erzählt sie, wie sie nach Mülheim gekommen ist, von mutigen Entscheidungen und wo sie im Alltag Inspiration findet.
Erzähl uns von deinem Weg zur Kohlenforschung. Wie bist du hierhergekommen?
Mir war schon früh klar, dass ich studieren wollte. Ich habe im Bachelor Chemieingenieurwesen studiert und dann meinen Mann, einen Chemiker, geheiratet. Wir verbrachten ein Jahr in Australien, bevor wir nach Leipzig zogen, wo er promoviert hat. In Leipzig wusste ich nicht genau, was ich im Master studieren wollte. Ich habe mich eher zufällig in eine Vorlesung „Nanostrukturierte katalytische Systeme“ gesetzt und war sofort begeistert. Ich besuchte die Veranstaltung freiwillig und hatte so viel Freude daran, dass ich mich später für den Masterstudiengang „Strukturchemie und Spektroskopie“ einschrieb und die Vorlesung offiziell noch einmal belegte. Durch meine Masterarbeit am Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung habe ich praktisch mit nanostrukturierten Oberflächen gearbeitet was mir sehr gefallen hat. Deshalb habe ich gezielt eine Promotion in dem Bereich gesucht. Bei meiner Recherche stieß ich auf die Arbeiten von Ferdi Schüth und hatte sofort das Gefühl, dass ich hier richtig bin. Ich schrieb ihm eine E-Mail und wurde eingeladen. Hier anzufangen gehört auf jeden Fall zu den besten Entscheidungen meines bisherigen Weges.
Was schätzt du an deiner Arbeit hier besonders?
Ich entwickle mesoporöse graphitische Kohlenstoffe, die in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Durch verschiedene Synthesewege passe ich Leistung und Eigenschaften gezielt so an, dass Brennstoffzellen möglichst gute Leistung produzieren. Das ist relevant für Energieanwendungen und daher sehr nah an der Industrie. Diese Verbindung von Grundlagenforschung und Anwendung begeistert mich. Zu sehen, wie „meine“ Materialien außerhalb des Labors in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Industriepartnern getestet werden, ist unglaublich motivierend. Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist die Skalierung der Synthese. Denn nur wenn wir viel Material herstellen können, lässt es sich industriell nutzen. Meinem Arbeitsplatz sieht man das auch an: Meine Kolben sind meist deutlich größer als die der anderen (lacht). Genauso wichtig wie die Forschung sind für mich aber die Menschen. Unsere Gruppe ist international, hilfsbereit und wir unternehmen viel gemeinsam. Das schafft eine Atmosphäre in der man gerne arbeitet. Im Zentrum steht Ferdi, der alles zusammenhält: als inspirierende Führungspersönlichkeit und großartiger Mentor. Darüber hinaus habe ich immer die Freiheit neue Ideen zu verfolgen und viel zu reisen, zum Beispiel zu internationalen Konferenzen.
Was war bisher dein schwierigster Schritt?
Meine Familie zurückzulassen war und ist der schwerste Teil. Wir stehen uns sehr nahe, und die räumliche Distanz ist nicht leicht. Gleichzeitig bin ich ihnen sehr dankbar für ihre Unterstützung. Ein Kind so weit ziehen zu lassen, erfordert viel Stärke. Ich versuche, sie mindestens einmal im Jahr zu besuchen, auch wenn ich dieses Jahr etwas hinterher bin. Im Moment liegt mein Fokus darauf, meine Promotion abzuschließen, um danach mit klarem Kopf weiterzugehen. Der Schritt ins Ausland bedeutete auch, meine Komfortzone zu verlassen, aber genau damit beginnt oft persönliches Wachstum.
Hast du ein Vorbild?
Nicht im klassischen Sinn. Ich lasse mich von vielen Menschen inspirieren, nicht nur von bekannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Manchmal ist es die Kassiererin, die einen mit einem ehrlichen Lächeln begrüßt, oder jemand, der hart arbeitet, um seine Familie zu unterstützen. Meine Eltern sind für mich auch eine große Inspiration. Sie haben viel geopfert, damit ihre Kinder bessere Chancen haben. Das werde ich nie vergessen.
Welchen Rat würdest du jungen Mädchen geben, die in einer wissenschaftlichen Institution arbeiten möchten?
Jede Zurückweisung im Leben, nicht nur in der Wissenschaft, kann auch eine Chance für etwas Besseres sein. Das heißt nicht, dass man Enttäuschung nicht zulassen darf. Ich war selbst oft enttäuscht, und das ist ganz normal. Wichtig ist, Rückschläge nicht über sich bestimmen zu lassen. Oft wartet eine neue Möglichkeit schon um die nächste Ecke, auch wenn man sie noch nicht sehen kann.
Wenn du einen Wunsch frei hättest – welcher wäre das?
Aus wissenschaftlicher Sicht wünsche ich mir gleiche Chancen für alle, unabhängig vom persönlichen Hintergrund. Ganz persönlich wünsche ich mir vor allem, dass die Menschen, die ich liebe, gesund, glücklich und in Frieden leben können.












