Minervas Töchter und Söhne - Ein Mann mit vielen Talenten: Bernd Mienert
Bernd Mienert arbeitet als Techniker im Joint Work Space für die Abteilung von Frank Neese.
Der 59-jährige kümmert sich unter anderem um die Gerätesteuerung der Mössbauerspektroskope und hat in seinem Arbeitsalltag viel mit Programmieren, Elektronik und Tüfteln zu tun. Für einen ausgebildeten Chemielaboranten ist das eher ungewöhnlich – aber Bernd hat viele Talente, die er in den Chemistry-Campus einbringt. Davon erzählt er uns im Format „Minervas Töchter und Söhne – committed“.
Erzähl uns von deinem Weg zur Kohlenforschung. Wie bist du hierhergekommen?
Bernd Mienert: Es ist inzwischen 42 Jahre her, dass ich meine Ausbildung zum Chemielaborant am damaligen MPI für Strahlenchemie – der heutigen CEC – begonnen habe. Ich war schon als Kind von Chemie begeistert und habe zu Hause gern experimentiert. Als wir für die Schule ein Berufsfeld erkunden sollten, besuchte ich das Institut zum ersten Mal und es gefiel mir sehr gut. Meine Schwester machte zu dem Zeitpunkt eine Ausbildung zur Physiklaborantin. Anschließend absolvierte ich mein Schulpraktikum am MPI - übrigens in der KOFO bei Herrn Rosenbaum. Danach bewarb ich mich für die Ausbildung zum Chemielaboranten.
In einem klassischen Chemielabor arbeitest du heute ja nicht. Wie sieht sein Arbeitsalltag aus?
Bernd Mienert: Das ist richtig. Ich sage heute gern, dass ich als Techniker arbeite, auch wenn ich keine Techniker-Ausbildung absolviert habe. Meine Aufgabe ist die Gerätesteuerung für unsere Mössbauer-, SQUID- oder EPR-Spektroskope. Ich kümmere mich darum, dass die Geräte funktionieren und jede Messung einwandfrei läuft. Dafür muss ich die Hard- und Software teilweise weiterentwickeln, Kompatibilität sicherstellen, sowie Datenbanken entwickeln und anbinden können. Diese Kenntnisse habe ich mir selbst angeeignet. Elektronik und Computer haben mich immer schon interessiert und ich bin schnell in diesem Bereich gelandet als ich nach meiner Ausbildung die Betreuung für einen Elektronenbeschleuniger übernehmen konnte. Ein Kollege hat mir damals vieles beigebracht, und ich habe mich reingehängt. Meine Vorgesetzten haben mir auch immer viel Vertrauen geschenkt und freuten sich, wenn ich neue Automatisierungsprozesse entwickelte, die das Handling vereinfachten. Das hat mich motiviert.
Neben deiner Arbeit im Joint Work Space hast du ja noch verschiedene weitere (Ehren-) Ämter inne. Welche?
Bernd Mienert: Ja, ich habe nicht nur viele Hobbies. (Lacht) Seit fast 20 Jahren bin ich im Betriebsrat der CEC Mitglied. Meine Themen dort sind oft IT und Datenschutz. Aber ich interessiere mich auch sehr fürs Zwischenmenschliche und habe vor vielen Jahren eine Weiterbildung zum Konfliktberater absolviert. Seit 2011 bin ich in der CEC offiziell als Konfliktberater bestellt und in der Kohlenforschung seit 2019. Ich bin außerdem Mental Health First Aider und stehe zur Verfügung, wenn es um eine schnelle Unterstützung bei psychischen Belastungen geht. Mein Büro steht jederzeit offen und ich freue mich, wenn ich helfen kann.
Was sind denn deine Erfahrungen in der Konfliktberatung - gab es schon schwierige Situationen?
Bernd Mienert: Ich bin natürlich zu Verschwiegenheit verpflichtet – aber damals gab es eine schwierige Konstellation, die mich dazu angeregt hat, die Schulung zum Konfliktberater zu machen. Heute können Mitarbeitende von CEC und KOFO zu mir kommen, wenn sie eine andere Perspektive auf einen Konflikt brauchen. Manchen reicht es, einfach nur mal über ihre Probleme zu reden, manchmal unterstütze ich auch bei den nächsten Schritten. Da bin ich ganz offen und überlasse es der Person, die zu mir kommt, wie ich mich einbringen kann. Oft sage ich den Leuten aber auch einfach: „Redet einmal miteinander“. Denn viele Konflikte lassen sich klären, wenn die Betroffenen aufeinander zugehen.
Du besuchst ja auch Schulen und Kindergärten und führst dort Experimente durch. Wie erlebst du das MINT Interesse bei Jungs und Mädchen und was motiviert dich?
Bernd Mienert: Ich besuche seit vielen Jahren für die CEC Schulen habe zum Beispiel Angebote für Grundschüler zum Thema tiefe Temperaturen. Ich komme für Vorträge, habe eine kleine Experimentiershow zusammengestellt oder steuere einen Teil zu der Unterrichtsreihe Wetter & Klima bei. Auch beim Girls‘ Day mache ich natürlich mit. Die Schulbesuche machen mir total viel Spaß, denn – auch wenn das jetzt kitschig klingt - ist es einfach schön, in glänzende Kinderaugen zu schauen. Es gibt ja in den Gruppen fast immer ein sehr Interessiertes Kind, das sich schon gut auskennt. Aber wenn du nach der Stunde ein weiteres Kind neu inspirieren konntest für die Naturwissenschaften – das ist toll und jede Mühe wert.
Du bist ja auch seit vielen Jahren Herzstück und Gründungsmitglied der Campusband „Energy Converters“ und hast im Sommer unser gemeinsames Campusfest organisiert – was wünschst du dir für die Zukunft des Chemistry Campus?
Bernd Mienert: Für die Zukunft wünsche ich mir für beide Institute ein noch besseres Klima am Campus. Es ist schon gut, dass es ein Miteinander bei gemeinsamen Festen gibt – aber es könnte noch mehr Vernetzung werden. Ich fände es zum Beispiel toll, wenn wir aus beiden Instituten Forschende hätten, die einen Scienceslam für die Kollegen aber auch interessierte Laien auf die Bühne bringen würden. Das sollte dann so verständlich sein, dass alle etwas mitnehmen können. Ich bin mir sicher, dass es noch viele verborgene Talente an den Instituten gibt...











