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Geschichte

Das Institut wurde 1912 als „Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung“ in Mülheim an der Ruhr gegründet. Es ist damit eines der ältesten Institute in der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Die größten wissenschaftlichen Erfolge der frühen Jahre waren zweifellos die Entdeckung des Fischer-Tropsch-Prozesses durch Franz Fischer und seine Mitarbeiter. Die Verwendung von Katalysatoren ermöglichte die Umwandlung von Kohle in Kraftstoffe wie etwa Benzin oder Diesel.

Nach der Berufung von Karl Ziegler im Jahr 1943 als neuem Institutsdirektor verlor die Erforschung der Kohle zunehmend an Bedeutung; dafür wurden die Forschungsaktivitäten in Richtung Metallorganische Chemie intensiviert. Es folgten eine Vielzahl wichtiger chemischer Erfindungen, welche teilweise bis zum heutigen Tage von großer wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung sind. Die Polymerisation von Ethylen oder Propylen mithilfe von Ziegler-Katalysatoren oder die Cyclooligomerisation von 1,3-Butadien zu Carbocyclen (Günther Wilke) sind solche Meilensteine.

Im Jahr 1949 wurde das Institut in „Max-Planck-Institut für Kohlenforschung“ umbenannt. Es hat die Rechtsform einer Stiftung privaten Rechts. Heute konzentriert sich die wissenschaftliche Aktivität der mehr als 300 Beschäftigten auf die Erforschung hochselektiver und ressourcenschonender chemischer Reaktionen. Die Katalyse mit all ihren Facetten steht im Zentrum unserer Aktivitäten.

 

Verleihung des Nobelpreises an Karl Ziegler

Chronologie

1912
Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Vertreter der rheinisch-westfälischen Industrie und der Stadt Mülheim an der Ruhr beschließen die Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.
1913
Franz Fischer (Technische Universität Berlin) wird zum ersten Direktor des Instituts ernannt.
1914
Feierliche Einweihung und Eröffnung des Instituts.
1917
Erster Band der "Gesammelten Abhandlungen zur Kenntnis der Kohle" erscheint.
1925
Franz Fischer und Hans Tropsch melden das "Verfahren zur Gewinnung mehrgliedriger Paraffinkohlenwasserstoffe aus Kohlenoxyden und Wasserstoff auf katalytischem Wege" (DRP 484337) zum Patent an.
1925
Gründung der Studien- und Verwertungsgesellschaft mbH.
1926
Mit Mitteln der Studien- und Verwertungsgesellschaft mbH wird auf dem Institutsgelände eine Versuchsanlage errichtet, um die industrielle Nutzung der Fischer-Tropsch-Synthese vorzubereiten.
1939
Umwandlung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung in eine selbstständige rechtsfähige Stiftung.
1943
Karl Ziegler (Universität Halle) wird zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung ernannt.
1945
Das Institut wird durch US-Truppen besetzt und zeitweise der North German Coal Control unterstellt.
1947
Herbert Koch wird zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen.
1.12.1947
Franz Fischer verstirbt nach längerer, schwerer Krankheit in München.
1949
Karl Ziegler und Hans-Georg Gellert entdecken die "Aufbau-Reaktion".
1949
Umbenennung in "Max-Planck-Institut für Kohlenforschung".
1952
Die Studien- und Verwertungsgesellschaft mbH meldet das "Verfahren zur Herstellung von Carbonsäuren aus Olefinen und Kohlenoxyd" (DRP 942987, Erfinder: H. Koch) zum Patent an.
1953
Das Niederdruckpolyethylen-Verfahren (DBP 973626 Verfahren zur Herstellung von hochmolekularen Polyäthylenen, Erfinder: K. Ziegler, H. Breil, E. Holzkamp, H. Martin) wird zum Patent angemeldet.
1954
Die Aluminiumtrialkyl-Direktsynthese (DBP 961537 Verfahren zur Herstellung von Aluminiumtrialkylen und Aluminiumalkylhydriden, Erfinder: K. Ziegler, H.-G. Gellert) wird zum Patent angemeldet.
1954
Das Polyolefinverfahren (DBP 1257430 Verfahren zur Homopolymerisation von Propylen und α-Butylen, Erfinder: K. Ziegler, H. Breil, H. Martin, E. Holzkamp) und das 2,3-Kautschuk-Verfahren (DBP 1268392 Verfahren zur Mischpolymerisation von α-Olefinen, Erfinder: K. Ziegler, H. Martin, E. Holzkamp, H. Breil) werden zum Patent angemeldet.
1954
Das Basisverfahren zur Herstellung biologisch abbaubarer Waschmittel (DBP 1014088 Verfahren zur Herstellung primärer Alkohole, Erfinder: K. Ziegler) wird zum Patent angemeldet.
1955
Umbenennung der Studien- und Verwertungsgesellschaft mbH in Studiengesellschaft Kohle mbH.
1956
Das Verfahren zur Herstellung von Cyclododecatrien (DBP 1050333 Verfahren zur Herstellung von Cyclododecatrienen-(1,5,9) neben anderen ringförmigen Kohlenwasserstoffen, Erfinder: G. Wilke) wird zum Patent angemeldet.
1958
Errichtung einer selbstständigen Abteilung für Strahlenchemie unter der Leitung von Günther O. Schenck.
1959
Die Synthese von Cyclooctadien-(1,5) (DBP 1140569 Verfahren zur katalytischen Di- bzw. Trimerisation von 1,3-Diolefinen, Erfinder: G. Wilke, E. W. Müller) wird zum Patent angemeldet.
1963
Günther Wilke wird zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen und wird ordentlicher Professor an der im Aufbau befindlichen Ruhr-Universität Bochum.
10.12.1963
Verleihung des Nobelpreises für Chemie an Karl Ziegler und Giulio Natta (Mailand).
1964
Anmeldung des Grundpatentes zur Destraktion (DBP 1493190 Verfahren zur Trennung von Stoffgemischen, Erfinder: K. Zosel).
1967
Günther Wilke wird zum zweiten Direktor des Instituts bestellt.
1967
Inbetriebnahme des Laborhochhauses.
1968
Oskar E. Polansky wird zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen.
1968
Das Ehepaar Karl und Maria Ziegler richten den "Ziegler-Fonds" ein, um dem Institut finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen.
1969
Übergabe der Amtsgeschäfte des Institutsdirektors Karl Ziegler an Günther Wilke.
1969
Roland Köster wird zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen.
1970
Die Entkoffeinierung (DBP 2005293 Verfahren zur Entkoffeinierung von Rohkaffee, Erfinder: K. Zosel) wird zum Patent angemeldet.
1970
Karl Ziegler richtet zusätzlich eine "Ziegler-Stiftung" ein.
1972
Wiedereinrichtung einer Arbeitsgruppe Kohlechemie.
11.08.1973
Karl Ziegler stirbt in Mülheim an der Ruhr.
1973
Das grundlegende Verfahren zur Synthese des Ferrocens (DBP 2349541 Verfahren zur elektrochemischen Herstellung von organischen Sauerstoff- und bzw. oder Schwefelmetallverbindungen, Erfinder: W. Eisenbach, H. Lehmkuhl, G. Wilke) wird zum Patent angemeldet.
1979
Anmeldung des Grundpatentes zur Wasserstoff- bzw. Energiespeicherung (EP 0003564 B1 Verfahren zur Herstellung von Magnesiumhydriden, Erfinder: B. Bogdanović).
1981
Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft beschließt, das Institut für Strahlenchemie im Max-Planck-Institut für Kohlenforschung als "Max-Planck-Institut für Strahlenchemie" zu verselbstständigen.
1991
Berufung von Manfred T. Reetz (Universität Marburg) als Wissenschaftliches Mitglied und zweiter Direktor an das Institut.
1992
Emeritierung von Roland Köster.
1993
Emeritierung von Günther Wilke und Amtsübergabe an Manfred T. Reetz.
1995
Berufung von Andreas Pfaltz (Universität Basel) als Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Institut.
1998
Berufungen von Alois Fürstner und Ferdi Schüth zu Wissenschaftlichen Mitgliedern und Direktoren am Institut.
1998
Andreas Pfaltz nimmt einen Ruf nach Basel an und verlässt das Institut.
1999
Berufung von Walter Thiel (Universität Zürich) als Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Institut.
2002
Die Stiftung Sammlung Ziegler wird ins Leben gerufen.
2005
Berufung von Benjamin List als Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Institut.
2010
Einweihung des neuen Hörsaalgebäudes.
2014
Alles Gute zum Geburtstag: Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Stadthalle zu Mülheim an der Ruhr.

Interessante Links

Einen Überblick über die Ziegler-Ära bietet die von Prof. Haenel erstellte Broschüre anlässlich der Verleihung des Titels "Historische Stätten der Chemie" durch die GDCh im Jahr 2008.

Der Forschungsbericht (englisch) enthält einen historischen Überblick, der die chronologischen Daten ergänzt.

Auf den Internetseiten der Nobelstiftung kann man den Nobelvortrag sowie die Bankettansprache von Karl Ziegler im Jahre 1963 nachlesen.

Seit den späten 1950er Jahren hat  Karl Ziegler (1898-1973) zusammen mit seiner Frau Maria eine hochkarätige Sammlung zur Kunst des Expressionismus und der klassischen Moderne aufgebaut, die zu den bedeutendsten der Region zählt. Die Stiftung Sammlung Ziegler ist im Kunstmuseum der Stadt Mülheim beheimatet.