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10.12.2015

Benjamin List erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Benjamin List erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der wichtigste deutsche Wissenschaftspreis geht im Jahr 2016 an Benjamin List, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Das gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute bekannt. Benjamin List erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis für seine Arbeit im Bereich der Organokatalyse. In seiner Forschungsgruppe werden neue Katalyse-Konzepte erarbeitet und Prinzipien zur Entwicklung metallfreier Katalysatoren entwickelt. Gesucht werden neue Strategien für „perfekte chemische Reaktionen“, die quantitative Ausbeuten mit hoher Atomökonomie vereinen und ohne toxische Lösungsmittel, Schutzgruppen, Heizen oder Kühlen sowie Inertgas Atmosphäre auskommen. Dafür wird mit kleinen, rein organischen Molekülen als selektiven Katalysatoren experimentiert.

In den letzten Jahren wurde gezeigt, dass diese Organokatalysatoren genauso effizient und selektiv sein können, wie die üblicherweise eingesetzten Metall-basierten Katalysatoren. Dieses neue Bewusstsein resultierte in einer explosionsartigen Entwicklung eines neuen Gebiets, der Organokatalyse.


Walter Thiel, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, gratulierte Benjamin List ganz herzlich. „Es ist eine sehr gute Nachricht für das ganze Institut und wir freuen uns mit Ben List.“ Die Sektflaschen müssen noch einige Zeit kaltgestellt bleiben, da Benjamin List sich momentan auf einer Vortragsreise in den Vereinigten Staaten befindet. Er ist bereits der vierte Leibniz-Preisträger am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Vor ihm erhielten Manfred T. Reetz, Alois Fürstner und Ferdi Schüth die Auszeichnung.


Das Institut wurde im Jahr 1912 gegründet und ist damit eines der ältesten Institute in der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Die wissenschaftliche Aktivität konzentriert sich auf die Erforschung hochselektiver und ressourcenschonender chemischer Reaktionen. Die Katalyse mit all ihren Facetten steht im Zentrum der Forschung.


Zur Begründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft


In ihrer Pressemitteilung erklärte die DFG, dass der Leibniz-Preis mit Benjamin List einen höchst innovativen und weltweit renommierten Chemiker würdigt, der ein völlig neues Feld der Katalyse und Katalyseforschung begründet hat. List entdeckte als junger Assistenz Professor die Prolin-katalysierte intermolekulare Aldol-Reaktion. Sie war eine der Grundlagen für die Organokatalyse, mit der erstmals nicht Metallkatalysatoren, sondern Naturstoffe als Katalysatoren in der Herstellung von Chemieprodukten und anderen industriellen Schlüsseltechnologien eingesetzt werden konnten. Organische Katalysatoren sind meist weniger toxisch als Standardmetallkatalysatoren und zudem leicht wiedergewinnbar, womit sie erheblich zu einer nachhaltigeren und ressourceneffizienteren Chemie beitragen.


Über den Preisträger Benjamin List


Benjamin List ist im Jahr 1968 geboren und studierte an der Freien Universität Berlin Chemie. Seine Promotion über die Synthese von Substrukturen des Vitamin B12 legte er im Jahr 1997 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt bei Johann Mulzer ab. Bis 1998 war er als Post-Doc am Scripps Research Institute in La Jolla in den Vereinigten Staaten, dort wurde er 1999 Assistant Professor. Im Jahr 2003 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. 2004 nahm er eine Honorarprofessur an der Universität zu Köln an. 2005 wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung berufen.


Benjamin List ist schon mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden. Darunter der Cope Scholar Award, der Mukaiyama Award, der Otto-Bayer-Preis sowie ein ERC Advanced Grant.


Über den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis


Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste deutsche Forschungsförderpreis. 1985 wurde das Leibniz-Programm ins Leben gerufen. Ziel des Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und es ihnen zu erleichtern, besonders qualifizierte junge Wissenschaftler zu beschäftigen. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert und wird an in Deutschland arbeitende Wissenschaftler aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen verliehen. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt. Die Entscheidung über die Preisträger trifft der Hauptschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgrund einer Empfehlung des Nominierungsausschusses für das Leibniz-Programm.